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“Digitalisation and Optimisation at the Point of Sale” – Was in wem, bitte?

Autor: Dennis Ikas

So oder so ähnlich rätselte meine Wenigkeit, als ich als sehr neuer und sehr unbedarfter Praktikant in die imposanten Hallen der Nordischen Botschaften wanderte, um meine Feuertaufe in der Welt der „Business Seminare“ zu absolvieren.

Für den Mensch als Herden- und Fluchttier werden unbekannte Umgebungen immer mit Gefahren assoziiert. Umso größer die Erleichterung, als die Versammlung aus dem geschmackvoll modernen Foyer in einen Hörsaal übersiedelte, wie man sie in jeder Reformuniversität finden kann. Die Vorträge selbst erinnerten zwar an das altbekannte Format, die Inhalte hoben sich jedoch deutlich ab vom herkömmlichen Dozieren. Nicht nur, dass die Vortragenden ihre Technik selbst bedienen konnten, auch die lebhafte Vortragsweise und die (wie könnte es anders sein) kundengerechte Illustration abstrakter Konzepte durch praxisnahe Beispiele waren eine willkommene Abwechslung gegenüber manch staubiger Präsentation, die man in den Auditorien lieben gelernt hat. Es geht um angewandte und angedachte Strategien und Techniken, mit denen Einzelhändler den Schritt in die digitale Welt schaffen und im grenzenlosen Wettbewerb des Internets bestehen können. Schnell wird klar, dass es keine Einheitslösungen gibt, dass es auf das Produktsegment, die Zielgruppe ankommt. Und vor allem auf Unternehmergeist, um die Potenziale der neuen Technologien zu erkennen und richtig einzusetzen.

Derart geistig gefüllt kommt das üppige Mittagsbuffet zur rechten Zeit. Zwar greifen außerhalb des behaglichen Hochschul-Ambientes die alten Fluchtinstinkte wieder, doch das fehlende Frühstück gibt den entscheidenden Motivationsschub. Die Schlange zur Futterstelle ist schnell gefunden, jetzt nur noch brav im Entenmarsch Zoll für Zoll zum Ziel zittern. Der Erfolg lässt vorerst alle Mühen vergessen, und doch bahnt sich bereits der nächste existentielle Konflikt an: Nachschlag?

       Wichtiger Kaffee und weises Kopfnicken zwischen den Workshops ©Business Sweden

Gewissensgeplagt, aber gestärkt, geht es in die zweite Hälfte, der Workshop zum Thema „Digital and optimising payment solutions“. Keine Hörsaal-Idylle, sondern ein standesgemäßer Business Round Table in kleinerer Runde. Nachdem der Horror mich laut und mit Worten vorzustellen irgendwie überwunden ist, folgt der themenbezogene Horror: Trotz aller hoch beschworenen Digitalisierung, im Vergleich zu Schweden fremdelt die deutsche Gesellschaft noch massiv. Mit dem „Neuland“ Internet einerseits und mit allem, das neu und ungewohnt ist (s.o.) gleich sowieso. Die fassungslosen Gesichter schwedischer Unternehmer, wenn sie vom geradezu wahnhaften Verlangen der Deutschen nach Bargeld hören und der durchschnittlichen Internetgeschwindigkeit im Land der Dichter und Vordenker haben sich schamvoll in mein analoges Gedächtnis gebrannt.

Was bleibt, aus der Sicht des nach wie vor unbedarften Praktikanten, sind viele Fragen. Wie begeistert man zurückhaltende deutsche Kunden für intelligente Konzepte, die ungeahnte Möglichkeiten im Einzelhandel bieten? Wie überzeugt man deutsche Händler, öfter auch mal den Blick über Ländergrenzen hinweg in andere (Internet-)Kulturen zu wagen? Muss man Eintritt gezahlt haben, um zweimal zum Buffet zu dürfen? Und warum sind Schweden so ungeheuer gut im Innendesign?

Man bleibt gespannt.

 

 

 

 

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Dennis Ikas

Dennis Ikas begleitete als Praktikant im Sommer 2015 den Bereich E-Commerce beim Handelsverband Deutschland. Zwischen dem abgeschlossenen Bachelor in Politik- und Verwaltungswissenschaft an der Universität Konstanz und dem Beginn des Masterstudiums an der Universität Leiden verbrachte er drei Monate im Berliner Büro des HDE und sammelte dort wertvolle Erfahrungen über die Herausforderungen im Einzelhandel. Und über die obskuren Gepflogenheiten gesellschaftlicher Nahrungsaufnahme.

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